
Umgang mit Wut und Ärger ...
Letzten Monat haben wir uns schon mit dem ungeliebten Thema Aggression im Alltag beschäftigt und uns auf die körperlichen Vorgänge beschränkt. Offen blieb die Frage, wie man mit aufgestautem Ärger oder damit umgehen kann, dass man schnell wütend wird, es fast ein Charakterzug ist.
Wenn Sie schnell dabei sind bei den täglichen Frustrationen andere zu beschuldigen und sich zu ärgern, das Warten an der Kasse, die Preiserhöhung, die lärmenden Teenager im Bus, wenn sich dieser Ärger in Wut steigert und Sie den Drang verspüren ihm mehr oder weniger kontrolliert Luft zu verschaffen, dann kann ihre Wut zum schleichenden Gift werden, dass sowohl ihre Gesundheit als auch ihre Beziehungen gefährdet.
Wut kann man definieren als Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen und Handlungen die durch einen wahrgenommen Angriff auf die eigene Person aktiviert werden.
Zugrunde liegende Gefühle sind meist Angst, Scham oder Ärger.
Wut kann eine sehr gesunde und wichtige Reaktion sein, um Grenzen zu setzen wenn man unberechtigt verbal angegriffen wird, um sich körperlich zu verteidigen wenn es wirklich nötig ist. Wenn Wut jedoch häufiger auftaucht durch im Grunde weniger wichtige Anlässe und chronisch falsch gehandhabt wird, dann kann sie der gerade Weg zur Feindseligkeit werden und in verbaler Aggression oder sogar körperlicher Gewalt enden.
Feindselige Menschen, provozieren mehr negative Ereignisse als andere, haben weniger soziale Unterstützung und eine schlechtere Gesundheit. Ein echter Teufelskreis.
Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen wütendem und feindseligem Verhalten in Partnerschaften, wie Kritik, Anschuldigungen, Ablehnen von Verantwortung, Ausweichen und Unterbrechungen in Unterhaltungen, und einem erhöhten Blutdruck, erhöhter Herzfrequenz und einer Schwächung des Immunsystems gibt. Die Auswirkungen auf die Beziehung an sich sind logisch folgend.
Wie jedes andere Gefühl lässt sich Wut als Folge kognitiver (geistiger) Prozesse erklären:
Ein Auslöser – der Vordermann wechselt die Spur ohne zu blinken,
führt zu Gedanken „dieser Idiot, hat wohl keinen Blinker, schneidet mich einfach..." und
Bewertungen „er macht das mit Absicht",
diese drei Komponenten sind so eng miteinander verwoben, dass sie von uns meist nicht bewusst wahrgenommen werden, der Wendepunkt der uns zum Gefühl Wut bringt bleibt uns sehr häufig verborgen. Unserer bewussten Wahrnehmung bleibt die Verknüpfung Auslöser-Gedanken/Bewertungen -Emotion meist verschlossen. Wenn wir die Situation beschreiben würden wäre es „So ein Idiot hat mich einfach geschnitten, ich hab vor Zorn gekocht.". In Wirklichkeit reagieren wir auf unsere Gedanken zu dem Ereignis und nicht auf das Ereignis selbst.
Dies ist einer der Ansatzpunkte des so genannten „Anger-Managements" – ändern wir die Gedanken und Bewertungen zu einer Situation, dann ändern sich auch unsere Gefühle. So kann aus Wut Gelassenheit werden.
„Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich." Epiktet (50-138)

Dipl.-Psych. Heike Kaiser-Kehl
Coach und Notfallpsychologin bei http://www.dieonlinepsychologen.de