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Bernd H. Litti
LiC Kolumnist, bekannter Golf-Buchautor und laut der FAZ "der Papst des mentalen Golfspiels" Spricht bei LiC über „Schluss mit Lustig? – Wenn der Schwung zum Feind wird."
Schluss mit lustig?
Wenn der Schwung zum Feind wird, gibt es kein Entkommen. Horror kriecht ins Hirn. Die Furcht, den Ball zu verschlagen ist immer da. Martyrium auf dem Rasen. Schweiß perlt auf der Stirn, feuchte Hände greifen den Schläger. Nur ein paar Sekunden, dann ist der Spuk hoffentlich vorbei. Nicht immer muss es auf so zermürbenden Irrwegen ablaufen. „Reiß dich zusammen!" „Lass dich nicht gehen!" Doch bei mancher Golferin bleibt das Handicap im Kopf Ursache für die Qual.
Kaum eine Sportspezies legt so viel Wert auf Akkuratesse, passt auf, dass alles rund läuft.
Leider sind diese kopfgeplagten Golferinnen meist auch schnell von der Rolle, weil sie sich verrückt machen mit dem Gedanken: Was ist schief gegangen? Eine endlose Tortur. „Ich hätte jedes Geständnis abgelegt, um nicht weitere Schläge zu verhauen."
Viele wollen das nicht wahrhaben – und rennen verzweifelt von Pro zu Pro. Träumen von einem Trainer, der sie an ihre Grenzen führt. Ihnen mit einem produktiven Lernprogramm einen Vorsprung verschafft. „Dabei soll er sich ganz auf mich einstellen. Nicht umgekehrt!" Die Spielerin will lernen, sich selbstständig auf dem Platz zu behaupten. Einen Pro haben, dessen gemächlicher Duktus ihr Charme und Gelassenheit vermittelt. „Bleib stolz, aber nimm nicht immer ein Holz", ist ihm beispielsweise wichtig. Seine Macht muss er nicht demonstrieren. „Nicht so eitel wie der letzte Lehrer, bei dem standen einem gleich die Haare zu Berge", atmet eine auf, die mit ihrem „Traumpro" einen unglaublichen Aufschwung erlebt. Nervosität gehört nicht zu den Regungen unseres coolen Pros. Er ist bodenständig und visionär. Vor allem beherrscht der Pädagoge die Kunst, das Gefühl zu vermitteln, er hätte alle Zeit dieser Welt. „So baut sich ein persönliches Verhältnis auf. Das brauch ich einfach." Und unser Mann will schnell was bewirken und Erfolg haben. „Wenn die Stunde mal nicht so spannend ist und zu klassisch auf Lehrer-Schüler-Basis abläuft, bricht er ab und sagt: Lass uns golfen." Learning by doing steht im Vordergrund.
Nie verliert der Traumpro über einen missglückten Schlag ein Wort, er deutet lieber ironisch übertrieben eine Bewegung an und versucht zu interpretieren, was in uns vorging. Bittere Wahrheiten verkauft er also in Schokolade verpackt. Er spricht mit uns in Personalunion von Beichtvater, Therapeut und Coach. Sein oberstes Gebot: nur keine Langeweile aufkommen lassen. Schicksalsschläge auf dem Golfplatz pariert er mit Witz und Ironie. Bei manchen hat ihm das den Ruf eingetragen, ein Zyniker zu sein. „Nobody is perfect", der Schlusssatz in Billy Wilders „Manche mögen's heiß", ist sein Credo und bringt auch seine Weltanschauung auf den Punkt.
Klassisch lernen! Was heißt das genau? Nichts anderes als Bälle klopfen! „Da geht nun mal kein Weg dran vorbei! Aber es muss auch noch Zeit für selbstständiges Golfen da sein.
Egal ob Einsteiger oder Einstelliger, sicher eignen sich viele lehrreiche Angebote in Form von Kursen oder Stunden prima zur Perfektionierung des Schwungs und Spiels. Aus dem Grund: Vertrauensverhältnis zum Pro testen! Sich fragen: Bin ich überhaupt bereit, mich ihm im Unterricht anzuvertrauen? Jeder redet gern über sich selbst. Sobald wir das Gefühl haben, jemand hört uns interessiert zu, geben wir bereitwillig etwas aus unserem Leben preis. Sich darzustellen ist eine das Selbstbewusstsein stärkende Erfahrung. Ein guter Golflehrer kann heraushören, was die Golferin wirklich bedrückt. Spürt, welche Erfahrungen noch Einfluss nehmen auf die gegenwärtige Spielweise. Was engt ein, lähmt und wirkt destruktiv? „Grübeleien und was wäre gewesen, wenn, lehnt er ab. Gemeinsam einen neuen Sinn suchen, sich mit der alten Geschichte versöhnen, Konflikte lösen und sich von schädlichen Einflüssen befreien, ist seine Devise. Denn je mehr wir versuchen, Belastendes zu unterdrücken, desto mehr bleibt es präsent. Auch Gewohnheiten müssen gebrochen werden. Die Sicht der Dinge ändern, an manchem drehen und dem Leben neuen Schwung geben. Die Umgebung wechseln, alten Autoritäten widerstehen – Konsequenzen, die mitunter anstrengend sind. „Da kann ich nichts machen, das ist halt so", aus dem gesamten (Golf-)Vokabular streichen und ersetzen durch beschwörende Sätze wie „Das ändere ich sofort.", „Das packe ich gleich an."
In dem Sinne: Schönes Spiel!
Herzliche Grüße
Bernd Litti